Definitition: Das Refsum–Syndrom ist eine langsam fortschreitende Störung des Lipidmetabolismus, die charakterisiert ist durch die Akkumulation von Phytansäure im Blut und im Gewebe und mit neurologischen Störungen verbunden ist.

Klinisches Bild: Die vier großen Merkmale des Syndroms sind Retinitis pigmentosa , periphere Neuropathie, Ataxie (d.h. Unfähigkeit zur Koordination von Muskelbewegungen) und erhöhtem Protein im Liquor cerebrospinalis ohne Pleozytose (d.h. Zellvermehrung). Andere Charakteristika enthalten Nystagmus, Geruchsunempfindlichkeit, Fischschuppenkrankheit und Epiphysenmißbildung. 

Ätiologie: Das Syndrom ist eine autosomal recessives Merkmal. Die hauptsächliche biochemische Abnormalität ist die Akkumulation von Phytansäure. Patienten mit dem Refsum–Syndrom sind nicht in der Lage, diese Substanz zu vermindern und das ist der Grund für deren Akkumulation. Der menschliche Körper produziert selbst keine Phytansäure; sie kommt vollständig aus der Ernährung. Es ist wahrscheinlich, dass alle diese Symptome, die mit dem Refsum–Symdrom in Verbindung stehen, von dieser Akkumulation resultieren. Da Phytansäure ausschließlich über die Ernährung aufgenommen wird, kann die Vermeidung von Nahrungsmitteln, die Phytansäure enthalten, die Entwicklung von Symptomen verhüten und kann auch die bereits bestehenden Abnormalitäten verbessern oder doch zumindest stabilisieren. Der Enzymdefekt und die Genabnormalität wurden 1997 identifiziert, mehr als 50 Jahre, nachdem die Akkumulation von Phytansäure erkannt worden war. Das schadhafte Enzym heißt Phytanol–CoA-Hydroxylase. 

Epidemiologie: Der Krankheitsbeginn tritt von der frühen Kindheit bis zum Alter von 50 Jahren auf, aber Symptome und Anzeichen werden am meisten gesehen im Alter von 20 Jahren. Männer und Frauen sind zu gleichen Teilen befallen.

Behandlung: Das Refsum–Syndrom ist die am besten behandelbare der Lipidablagerungsstörungen. Dies ist dem Umstand zu verdanken, dass die „anstößige“ Substanz Phytansäure ausschließlich von der Ernährung hergeleitet wird. Ernährungsbeschränkungen von Nahrungsmitteln, die Phytansäure enthalten, verringern deren Plasmakonzentration. Diese Beschränkung jedoch kann nicht in Monaten erreicht werden, was zu dem Schluss führt, dass zunächst Phytanvorratslager bzw. –depots im Körper aufgebraucht werden. Bei Einhalten der Diät ist möglicherweise die periphere Neuropathie zum Stillstand zu bringen und die Fischschuppenkrankheit heilt ab. Auch ist zu sehen, dass zwar Augen- und Ohrensymptome nicht regredieren, jedoch keine Progression mehr stattfindet. Nahrungsmittel, die Phytansäure enthalten, schließen Molkereiprodukte ein, Thunfisch, Kabeljau, Schellfisch, Lamm und Schmorbraten, Weißbrot, weißer Reis und gekochte Kartoffeln sowie Eidotter. Plasmaphorese ist eine Unterstützung zu einem Diätregime und hat sich als effektiv für eine positive initiale Reaktion erwiesen. Die Standardtherapien, wenn sie konsequent angewandt werden, und so früh als möglich, sind recht effektiv.